BÖSER HANF: WIE ES ZUR STIGMATISIERUNG KAM

Dem Hausverstand mag es nicht einleuchten, warum eine Pflanze wie der Hanf mit all seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und nachhaltigen Effekten ein Schattendasein als böses Kraut dulden muss. Da hilft ein Blick in die Geschichte, denn die Sache ist komplex. Seit Jahrtausenden wird Cannabis von Ostasien über Afrika bis Europa genutzt: Als Rohstoff zur Papiergewinnung, zur Textilherstellung, als Nahrungsmittel, Medizin und auch – oft rituelles – Rauschmittel. Und tatsächlich wurde Hanf erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem „Problem“ erkoren.

DIE AMIS UND DAS GELD

Doch schien es hier wohl kaum um die berauschende Wirkung des Cannabis gegangen zu sein, warum sich plötzlich so großer Widerstand gegen ihn regte. Vielmehr fällt hier die Rolle der Amerikaner im Drängen zur globalen Verdrängung des Hanfs auf.
Wenn man die Lupe dann etwas genauer anlegt, erkennt man, dass zu ebenjener Zeit die USA weltgrößter Baumwollproduzent war, dem der Hanf als widerstandsfähiger Textilrohstoff ein Dorn im Auge war. Auch die Holzpapier- und Kunstfaserproduzenten waren bedeutende Lobbyisten, als es darum ging den Hanf anzukreiden.

WAFFE GEGEN ZAHNSCHMERZEN

Nachdem im vergangenen Jahrhundert die Pharmaindustrie zunehmend chemische Medikamente mit klar definierten Wirkstoffen entwickelte, sie aber Schwierigkeiten hatte die Wirkstoffe und Inhaltssubstanzen von Cannabis zu identifizieren und isolieren, wurden Mitte des letzten Jahrhunderts sämtliche cannabishaltigen Medikamente vom Markt genommen und international verboten.
Diese Maßnahme mutet doch seltsam an, wenn man beachtet, dass Hanf schon seit der Besiedlung der USA im 17. Jahrhundert als Medizin verwendet und gesellschaftlich akzeptiert wurde. Manche weisen darauf hin, dass selbst George Washington seine Zahnschmerzen mit der heilsamen Pflanze behandelt haben soll.
Die Anti-Hanf-Lobby war stark und hatte früh mobil gemacht: In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts startete man – interessanterweise zum Tiefpunkt der Wirtschaftskrise – eine mit 100.000 US-Dollar dotierte Kampagne zur Verteufelung von Cannabis. Plakataktionen, Gutachten und Presseberichte wiesen nunmehr auf die „Gefahren“ der Pflanze hin und so liest man in einem Gutachten des Gefängnisarzt A.E. Fossier: „Die herrschende Rasse und die aufgeklärtesten Länder sind alkoholisch, derweil die Länder und Nationen, die Hanf und Opium verfallen sind, (…) sowohl geistig als auch physisch zu Grund gegangen sind.“
Auch Zeitungsberichten jener Zeit fehlte häufig die journalistische Objektivität, so liest man in der New York Times vom 6. Juli 1927: „Eine Witwe und ihre vier Kinder sind verrückt geworden, nachdem sie eine Marihuana-Pflanze aßen, so die Ärzte, die sagen, dass keinerlei Hoffnung besteht, die Leben der Kinder zu retten, und dass die Mutter zeitlebens verrückt sein wird.“

VERBOT VON HANF IN ÖSTERREICH

Die Verteufelungskampagne schwappte auch auf den europäischen Kontinent über, nahm zwar nie derart drastische Züge an, wurde jedoch auch hierzulande im Zuge internationaler Abkommen sukzessive verboten. In Österreich wurde Cannabis 1963 illegalisiert. Das Image des potenten Krauts erholt sich langsam, aber stetig, und der Hausverstand, der uns sagt, dass Hanf wirklich eine tolle Nutz- und Heilpflanze ist, dürfte am Ende doch siegen. Nicht umsonst, da nach und nach auch die USA ihre Gesetze zur Legalisierung von Cannabis lockern.