Cannabis in der Schmerztherapie

Trotz ambivalenter Gesetzeslage sagt man der Hanfpflanze in einigen Regionen der Welt eine schmerzstillende Wirkung nach. In unserer Serie “So heilt Hanf” sehen wir uns den Einsatz von Cannabis bei verschiedenen Krankheitsbildern aus der Nähe an und prüfen, was es damit auf sich hat.Im ersten Teil: Cannabis als Schmerzmittel. Hanf kann schmerzlindernd wirken – das liegt an den beiden Haupt-Inhaltsstoffen Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), welche die Nerven-Rezeptoren ähnlich einem chemischen Schmerzmittel dämpfen und den Reiz abschwächen. Da es auch im menschlichen Körper so genannteEndocannabinoide gibt – Botenstoffe, deren Wirkung der von Cannabis sehr ähnlich ist, daher auch der Name – finden THC und CBD die idealen “Andockstationen” im Organismus des Menschen vor, um ihre Wirkung zu entfalten. (Endocannabinoide fungieren im Körper übrigens vor allem protektiv im Immunsystem und beeinflussen mutmaßlich Bewegungs- und Lernprozesse.)

IN ÖSTERREICH VERBOTEN

Während Schmerz grundsätzlich als Warnsignal des Körpers verstanden werden sollte, und akute Schmerzen oft auf eine körperliche Fehlfunktion, eine Krankheit oder einen Mangel hinweisen, sieht das bei chronischen Schmerzen schon wieder anders aus. Für Unfallopfer mit bleibenden Schäden, Rheuma-Patienten oder Menschen, die regelmäßig an spastischen Muskelkrämpfen leiden, ist die Einnahme von Schmerzmitteln oft Teil des täglichen Lebens. Weil starke Medikamente aber häufig andere Organe beeinträchtigen und mit hohen Kosten verbunden sind, wird Cannabis inzwischen immer häufiger als eine Symptome lindernde Alternative für chronische Schmerzpatienten verschrieben. Tatsächlich gab es offenbar schon vor der Einführung von Aspirin und anderen gängigen “pain killers” zahlreiche schmerzstillende Mittel auf Hanfbasis. Inzwischen ist man im deutschsprachigen Raum noch zurückhaltend: In Deutschland wurde Cannabis erstmals 2009 ärztlich verschrieben, in Österreich ist die Verschreibung gemäß Suchtmittelgesetz nach wie vor verboten. Deutsche Ärzte verschreiben kaum Cannabis-Medikamente, und tun sie es doch, übernimmt die Krankenkasse keine Kosten – die Patienten müssen dann mit mehreren hundert Euro im Monat für ihre Therapie rechnen. In den USA ist derzeit in 20 Bundesstaaten der Zugang zu medizinischem Cannabis rechtlich erlaubt, darunter in Kalifornien, Washington oder Oregon. Auch wenn diese Ansicht nicht von allen US-Medizinern und Ärztinnen geteilt wird, geht die Tendenz hin zum Hanf als natürliche Alternative zu chemischen Drogen in der Behandlung von schweren Erkrankungen wie Krebs oder multipler Sklerose.
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STUDIEN BESTÄTIGEN WIRKUNG
Aus einer Studie aus dem Jahr 2011 geht hervor, dass die besten medizinischen Effekte von Cannabis als Schmerzmittel mit den geringsten Nebenwirkungen durch orale Einnahme bzw. Aufnahme über die Atemluft (vaporisiertes THC) erzielt werden. Franjo Grotenhermen, Vorstand der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente (IACM), gibt allerdings auch zu, dass manche Patienten besser auf gerauchtes Cannabis ansprechen. Therapeutisch eingenommen werden getrocknete Cannabisblüten – erhältlich mit variablem THC-Gehalt von 6 bis 22 Prozent – oder bereits fertige Cannabisextrakte. Aus den Blüten kann man durch Erhitzen und Ansetzen in Wasser sowie anschließendes Filtern selbst ein Extrakt erzeugen. Bei oraler Einnahme setzt die Wirkung von THC später ein (ab etwa 30 Minuten nach Einnahme), hält aber dafür meist länger an. Bei weniger starken, akuten Schmerzen kann Cannabis ebenfalls wirksam sein: Man sagt, dass sich die Wirkung der Hanfpflanze bei krampfartigen Schmerzen und Spannungsschmerz, wie etwa bei Menstruationsbeschwerden oder Migräne, besonders gut bewährt. So kann ein Tee aus Hanfblättern, beispielsweise der krampflösenden Sorte “Ratberta”, schon kleine Wunder vollbringen – und ist natürlich auch in Österreich zu 100% legal. 1 Quelle: www.tandfonline.com/doi/abs/10.1300/J175v01n03_09