HANF IN DER GESCHICHTE DER MEDIZIN

Seit Jahrtausenden beschäftigt sich die Menschheit mit den Heilkräften dieser Pflanze – hier ein kurzer Blick auf die lange Geschichte des Hanfs. Im Sommer 1993 entdeckten russische Archäologen in der Altai-Republik im westlichen Sibirien, mehrere Grabstätten aus dem 6.-3. Jahrhundert v. Chr. In einem davon wurde die mumifizierte Leiche einer etwa 25 Jahre alten Frau gefunden. Man nimmt an, dass es sich um eine Schamanin oder Heilerin gehandelt hat. In ihrem Grab befand sich ein Behältnis in dem Hanfsamen, Blätter und Blüten aufbewahrt wurden. Man fand weiteres heraus, dass die Frau seit ihrer Kindheit an Knochenmarksentzündung litt und es wird angenommen, dass sie die mit dieser Krankheit einhergehenden starken Schmerzen mit Hanf zu lindern versuchte.

HANF IM ALTEN CHINA UND INDIEN

China war als „Land der Maulbeerbäume und des Hanfs“ bekannt. Das chinesische Wort für Hanf ist „Ma“. Auch in der traditionellen chinesischen Medizin spielt Hanf eine Rolle und fand unter anderem Verwendung bei der Behandlung von Malaria, Beri-Beri und Verstopfung. Dem mythischen Kaiser Shen-Nung (ca. 2.700 v. Chr.) wird die erstmalige Erwähnung von Hanf in der Medizin zugeschrieben. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass Mönche aus späteren Epochen ihm diese große Bedeutung nur angedichtet haben. 500 n. Chr. werden seine Lehren in dem Werk Pen Ts’ao zusammengefasst. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. benutzte der Chirurg Hua T’o eine Mischung aus Cannabisharz und Reiswein als Anästhetikum und führte damit relativ komplizierte Operationen durch. Der Legende nach hat sich Buddha auf seiner Reise ausschließlich von Hanfsamen ernährt. Und auch heute noch spielt das Rauchen von Cannabis zum Beispiel in der Kultur der Saddus eine wichtige rituelle Rolle. Hanfprodukte wurden bei Leiden wie Sonnenstich und Fieber aber auch bei Ruhr und Lepra eingesetzt. Im Jahr 1893 führte die „Indian Hemp Drugs Comisson“ eine umfassende Studie über den Gebrauch von Cannabis durch und kam zu dem Schluss, dass es der Bevölkerung nicht schadet und ein Verbot deswegen nicht anzustreben ist.

VON DER STEINZEIT BIS HEUTE

Bei Ausgrabungen in Thüringen wurden 6000 Jahre alte Hanfsamen in ehemaligen Behausungen aus der Jungsteinzeit entdeckt. Weitere Funde legen nahe, dass Hanf in der keltischen und germanischen Kultur weit verbreitet war. Aufgrund des Fehlens von schriftlichen Quellen lässt sich aber über die Art und Weise der Anwendung nur mutmaßen. Der griechische Arzt Dioskurides erwähnte 70 n.Ch. zahlreiche Verwendungsformen von Hanf in seiner „Materia Medica“, welche heute als wichtigstes medizinisches Werk der Antike gilt. Auch die Benediktinerin Hildegard von Bingen äußerte sich in ihren Schriften über „Cannabus“. Im Mittelalter wurde Hanf von der katholischen Kirche verteufelt und Menschen die sich mit der Pflanze befassten verfolgt, wodurch viele Aspekte der traditionellen Volksmedizin und mündlich überlieferter Kräuterkunde verloren gingen. Erst ab der Renaissance beschäftigten sich Ärzte und Wissenschaftler wieder intensiv mit dem Thema Hanf als Medizin und es entstanden zahlreiche Bücher. Zum Beispiel beschrieb im Jahre 1621 Robert Burton in seinem Werk „Anatomie der Melancholie“ die Verwendung von Hanf bei der Behandlung von Depressionen und der englische Botaniker Nicholas Culpeper brachte 1653 ein Werk heraus in welchem alle bisher bekannten Verwendungen von Hanf angeführt waren. Hanf war ein fester Bestandteil der westlichen Medizin, bis in den 30er Jahren trotz Wiederstand der Ärzteschaft und der Apotheker- Vereinigung, erst in Amerika und dann in der ganzen Welt, ein Hanfverbot durchgesetzt wurde. Glücklicherweise befinden wir uns heute wieder in einer Zeit der Hanf Renaissance. In immer mehr Ländern wird Cannabis legalisiert und es gibt wieder zahlreiche Studien, die sich mit Hanf in der Medizin befassen. Es gibt jedoch noch viel zu tun um diese vielseitige Pflanze von allen Vorurteilen zu befreien.