DIE GESCHICHTE DES HANF IM ZEITRAFFER

Fast immer verdächtigt, und doch ein Wunderkind der Natur: die Hanfpflanze. Ein kleines Porträt über den “Underdog” und Tausendsassa unter den Fasern, seine Herkunft und die vielen Bereiche, in denen ein Leben ohne Hanf nicht vorstellbar war oder ist.

Hanf (Cannabis) gehört zur Familie der Hanfgewächse oder Cannabaceae. Er ist eine getrenntgeschlechtliche (diözische) Pflanze und hat von der Aussaat bis zur Ernte einen einjährigen Lebenszyklus. Nur die weiblichen Pflanzen bilden Blüten, die männlichen Samen. In der vegetativen Phase (die in der freien Natur von Anfang März bis Ende August dauert) konzentriert sich die Hanfpflanze auf das Wachstum, in der darauffolgenden Blütephase auf die Fortpflanzung. Sind beide Stadien abgeschlossen, stirbt die Pflanze wieder ab. Ursprünglich stammt Hanf vermutlich aus Zentralasien – wilden Hanf findet man zum Beispiel heute noch in China, Nepal oder Tibet. Speziell in Tibet hat Hanf eine Jahrtausende alte Tradition und wurde schon um 6000 v. Chr. kultiviert.

ANGEKOMMEN IN DER WELT

Mittlerweile wachsen die Pflanzen auf der ganzen Welt in tropischen oder mediterranen Zonen. Die Einsatzbereiche der Pflanze waren ursprünglich sehr vielseitig und aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken. Hanffasern wurden zur Erzeugung von Kleidung, Seilen, Teppichen und ähnlichem verwendet. Dank ihrer robusten Beschaffenheit waren aus Hanffasern gewebte Textilien äußerst widerstandsfähig und langlebig. Auch aus der Zeit der griechischen und römischen Antike ist Kleidung aus Hanffasern überliefert. Schon hunderte Jahre vor Christi Geburt war man in China überzeugt von der medizinischen Wirkung der Cannabispflanze.

FELDZÜGE DER HANFPFLANZE

Im Mittelalter erlebte Hanf dann einen weiteren Aufschwung durch die Seefahrt. Seile und Segeltuch aus Hanf sind gegenüber Salzwasser deutlich widerstandsfähiger als Baumwolle oder Flachs, da Hanffasern einerseits weniger Wasser absorbieren und sich andererseits auch unter rauen Bedingungen wesentlich langsamer abnutzen. So spielte die Hanfpflanze eine wesentliche Rolle für den transkontinentalen Handel und den wirtschaftlichen Aufschwung ganzer Nationen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus den Fasern der Hanfpflanze auch Papier hergestellt – neben Geld oder Landkarten wurde etwa die berühmte Gutenberg-Bibel aus der Reformationszeit auf Hanfpapier gedruckt. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich jedoch die günstigere Papierproduktion aus Holz zunehmend durch, und wegen der aufwändigen Herstellung werden heute nur noch spezielle Erzeugnisse, die aber auf lange Haltbarkeit angewiesen sind, aus Hanf gemacht – beispielsweise Banknoten oder wichtige Dokumente.

KUNSTFASER VS HANFFASER

Mitte des 20. Jahrhunderts geriet Hanf als Stofffaser in den Hintergrund und wurde zunehmend von der günstigeren und pflegeleichten Kunstfaser verdrängt. Erst seit den 1990ern erlebt die Hanfpflanze wieder einen Aufschwung und kommt seitdem in vielen Bereichen zum Einsatz – sowohl als robuste und hochwertige Textilfaser, die zudem klimaschonender gewonnen werden kann als Baumwolle, als auch als Basis für Dämmstoffe, Isolierungen, Reiniger (beispielsweise Waschmittel) oder auch im Tierfutter. Aus Hanfsamen wurden damals wie heute ätherische Öle und Essenzen gewonnen, aus den Blättern der Hanfpflanze lässt sich köstlicher Tee mit verschiedenen Wirkungsprofilen von stimulierend bis stressabbauend brühen, und wegen seiner reizhemmenden und muskelentspannenden Wirkung wird Cannabis als Schmerzmittel oder zur Behandlung verschiedener Krankheitssymptome eingesetzt.

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