Hier erfährst Du, was genau der Genotyp und der Phänotyp sind, warum F1-Samen häufig stabiler sind als andere und weshalb Stecklinge manchmal anders ausfallen können als die Angaben des ursprünglichen Breeders. Am Ende wirst Du genau wissen, warum Gene nur die halbe Wahrheit sind und wie viel Einfluss Du als Grower wirklich auf das Endergebnis hast.

Cannabisgenetik einfach erklärt

Gute Cannabisgenetik ist mehr als nur ein Sortenname auf der Verpackung. Wer schon einmal dieselbe Sorte mehrfach angebaut hat, weiß: Nicht jede Pflanze entwickelt sich gleich, obwohl sie angeblich „dieselbe Genetik“ besitzt. Manche wachsen kräftiger, andere riechen intensiver oder liefern einen höheren Ertrag.

Genau hier wird das Thema Genotyp und Phänotyp spannend. Es erklärt, warum Cannabis so vielseitig ist und weshalb Gene allein nicht über das Endergebnis entscheiden. Für Grower, Züchter und Konsumenten ist dieses Verständnis entscheidend, um das Potenzial einer Sorte realistisch einschätzen und gezielt beeinflussen zu können.

Genotyp – das genetische Grundgerüst

Der Genotyp ist der Bauplan einer Pflanze. Er steckt in ihrer DNA und ist nicht sofort sichtbar, aber er bestimmt, wie sie wächst, wie viele Blüten sie bildet und welche Cannabinoide und Terpene sie produzieren kann. Bedenke aber: Nur weil zwei Pflanzen denselben Genotyp haben, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gleich aussehen oder gleich gut wachsen.

Zwei Samen aus derselben Sorte können sich ziemlich unterschiedlich entwickeln, je nachdem, wie viel Licht, Wasser, Nährstoffe oder Pflege sie bekommen. Diese Unterschiede nennt man phänotypische Variabilität, die durch den Einfluss der Umwelt entsteht.

Für Grower ist der Genotyp wichtig, weil er zeigt, welches Potenzial in einer Sorte steckt. Kennt man den genetischen Hintergrund, kann besser eingeschätzt werden, was die Cannabispflanze leisten kann und welche Bedingungen sie braucht, um das Beste aus sich herauszuholen.

Phänotyp – die sichtbare Variation

Der Phänotyp umfasst das äußere Erscheinungsbild einer Pflanze sowie ihre sichtbaren Merkmale. Dabei kann der Phänotyp bei Cannabis ganz unterschiedlich aussehen, auch wenn die Cannabispflanzen denselben Genotyp haben. Typische Beispiele für phänotypische Unterschiede sind:

  • Wuchsform (ob eine Pflanze kompakt und buschig wächst oder eher hoch und schlank)
  • Blütenfarbe oder Blattgröße
  • Harzproduktion (wie viele Trichome sich bilden)

Diese Merkmale hängen stark von den Umweltbedingungen ab. Faktoren wie Licht, Temperatur, Nährstoffe, Luftfeuchtigkeit oder Stress haben großen Einfluss darauf, wie sich der Phänotyp entwickelt. Das heißt, auch wenn zwei Cannabispflanzen genetisch gleich sind, können sie ganz unterschiedlich aussehen, weil sie anders behandelt oder unter verschiedenen Bedingungen angebaut wurden.

Für Grower ist das eine gute Nachricht, da sich mit der richtigen Pflege der Phänotyp gezielt steuern lässt. Durch Anpassungen bei Licht, Dünger oder Klima können Ertrag, Aroma oder Optik der Cannabispflanze beeinflusst und so das Beste aus ihr herausgeholt werden.

Was ist der Chemotyp?

Ein wichtiger Teil des Phänotyps ist auch die Zusammensetzung der Cannabinoide und Terpene. Während die Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD) für die Wirkung verantwortlich sind, bestimmen Terpene den Geruch und Geschmack. Diese chemische Seite wird häufig noch mal extra als Chemotyp bezeichnet. Im Wesentlichen gibt es drei Hauptchemotypen bei Cannabis:

  • THC-dominant mit stark psychoaktiver Wirkung.
  • CBD-dominant mit keiner berauschenden Wirkung.
  • Ausgewogen (THC:CBD), also eine Mischung aus beiden.

Filialgenerationen – F1, F2 & Co. einfach erklärt

Sicherlich bist Du schon mal über Begriffe wie F1 oder F2 gestolpert. Diese Bezeichnungen stehen für sogenannte Filialgenerationen, also die „Generationenfolge“ bei der Pflanzenzucht.

F1-Samen stammen aus der Kreuzung zweier stabiler Elternpflanzen. Das Ergebnis sind Nachkommen, die sehr gleichmäßig wachsen und fast identische Phänotypen zeigen. Mit anderen Worten: F1-Pflanzen sind extrem homogen. Sie sehen ähnlich aus, entwickeln sich ähnlich und liefern verlässlich gute Ergebnisse. Genau deswegen sind F1-Samen bei professionellen Growern so beliebt.

F2-Samen entstehen, wenn man F1-Pflanzen untereinander weiter vermehrt. Dabei wird das Erbgut wieder etwas „durchgemischt“. Die Nachkommen zeigen dann mehr Variation bzw. unterschiedliche Phänotypen. Das kann spannend sein für Breeder oder Pheno-Hunter, die gezielt nach neuen, außergewöhnlichen Eigenschaften suchen.

Für den gewerblichen Grower sind F2-Samen dagegen meist weniger interessant, weil sie weniger einheitlich sind und damit auch unvorhersehbarer im Ergebnis.

Warum Stecklinge manchmal anders sind als die Angaben des Breeders

Wenn wir neue Genetiken auswählen, suchen wir gezielt nach einem ganz bestimmten Phänotyp bzw. einer Pflanze mit möglichst vielen wünschenswerten Eigenschaften (z. B. schönem Wuchs, starkem Aroma oder hohem Ertrag). Diesen Phänotyp ziehen wir dann als Mutterpflanze auf. Alle Stecklinge, die wir daraus schneiden, sind genetisch identisch, also echte Klone dieser einen Mutter. Deshalb kann es sein, dass unsere Angaben leicht von denen des ursprünglichen Breeders abweichen.

Ein gutes Beispiel: Unsere Orange Bud von Dutch Passion ist ein Sativa-dominanter Phänotyp, während Dutch Passion selbst die Sorte als 90 % Indica beschreibt und das, weil bei den meisten Samen eher Indica-dominante Pflanzen herauskommen. Wir haben aber bewusst den Sativa-dominanten Phänotyp ausgewählt, weil er uns in Wuchs und Wirkung besser gefallen hat.

Samen = Überraschung, Stecklinge = Konstanz (meistens)

Beim Anbau aus Samen spielt immer ein bisschen Glück eine Rolle. Auch wenn die Genetik gleich ist, können aus zwei Samen unterschiedliche Phänotypen entstehen, und zwar mal buschiger, mal schlanker, mal fruchtiger im Aroma. Das kann spannend sein, gerade für alle, die gern experimentieren. Bei Stecklingen ist das anders. Sie sind Kopien einer bestimmten Pflanze und bringen daher in der Regel immer das gleiche Ergebnis.

Aber – und das ist wichtig – auch bei Stecklingen hat die Umgebung ein Wörtchen mitzureden. Wenn Du denselben Steckling indoor und outdoor anbaust, werden die Ergebnisse trotzdem unterschiedlich aussehen. Der Grund ist, dass Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Nährstoffe verschieden sind. Selbst zwei Stecklinge im gleichen Raum können sich anders entwickeln, wenn Du sie unterschiedlich düngst oder gießt.

Am Ende gilt, dass die Gene den Rahmen vorgeben, aber wie sich die Pflanze entwickelt, entscheidest Du mit Deiner Anbaumethode, Umgebung und Pflege.

Fazit

Die Genetik ist nur der Anfang. Den Rest bestimmst Du. Dabei legt der Genotyp fest, was eine Pflanze grundsätzlich kann, aber erst der Phänotyp zeigt, was sie daraus macht unter dem Einfluss der Anbaubedingungen, Klima, Licht, Nährstoffe und Pflege. F1-Samen bringen Stabilität und gleichmäßige Ergebnisse, während Samen allgemein immer ein kleines Abenteuer sind. Perfekt für alle, die gern Neues entdecken. Unsere Stecklinge liefern dagegen konstante Qualität, weil sie genetische Klone einer ausgewählten Mutterpflanze sind. Trotzdem bleibt genug Raum, um durch Umwelt und Pflege eigene Nuancen ins Endprodukt zu bringen.